Das digitale Ich - Eine medienpsychologische Perspektive

Wir Menschen sehen uns nur allzu gern als Wunderwerk der Evolution. Oder als Krone der Schöpfung - je nachdem. Ausgestattet mit einzigartigen mentalen Fähigkeiten, die komplexe Denkprozesse und wohlüberlegte Entscheidungen erlauben, erscheint der Mensch als kompetentes und rationales Wesen.
Aber wie kompetent kann ein Wesen sein, das seine Zeit damit verbringt, Selfies auf Instagram zu posten oder Essensbilder in WhatsApp-Gruppen zu stellen? Wie viel Zeit wir mit unseren Smartphones oder Sprachassistenten verschwenden, wie viel Zeit im Netz und in den Sozialen Medien. Oder ist es mehr als Zeitverschwendung und drohen sogar Gefahren?
Aus einer medienpsychologischen Perspektive ist der Umstand, dass Menschen viel Zeit mit Medien verbringen nicht neu. Ebenso wenig neu ist, dass in dieser Mediennutzung Gefahren erkannt werden. Im Vergleich zur guten, alten Zeit mit Film, Fernsehen und Radio scheinen die Gefahren der digitalen Welt für viele allerdings noch bedrohlicher. Warum wir Medien einerseits so intensiv nutzen, ihnen andererseits so skeptisch gegenüberstehen und wo die Risiken der digitalisierten Medienwelt liegen ist ebenso Gegenstand des Vortrags wie die Frage, wie ein digitalkompetenter Umgang in Zukunft gelingen kann.

Dr. Astrid Carolus studierte Psychologie und BWL an der Universität des Saarlandes und promovierte 2012 am Institut Mensch-Computer-Medien der Julius-Maximilians-Universität Würzburg mit Auszeichnung. 2016 wurde sie zur Akademischen Rätin ernannt. In Forschung und Lehre liegt ihr Fokus auf digitalen Medien.

Aus psychologischer Sicht fragt sie nach Motiven und Gratifikationen sowie nach Effekten ihrer Nutzung. Sie leitet die Projekte „Digitalkompetenz (in) Schulen – DIKOM“ sowie „Die Normalisierung intelligenter Sprachsysteme“. Astrid Carolus ist zudem freiberuflich als Trainerin, Beraterin und als Coach tätig.